Motivation: vom Dranbleiben außerhalb der Komfortzone

Was wir vom Spitzensport für die Awareness Schulung lernen können.

Ein Gastbeitrag der Psychologin Doris Ernhofer

Erfolg mit Grip

Praxisbetrieb schließen, Workshops absagen, auf Online-Training umstellen: Diese Themen prägten zu Beginn der Corona-Krise nicht nur meinen Alltag als Sportpsychologin und Mentalcoach. Viele Berufsgruppen standen plötzlich unerwarteten Aufgaben gegenüber: Homeoffice, Online-Meetings und e-Learning.

Bei dieser Gelegenheit ein besonderer Dank und großer Respekt all jenen Menschen, die in ihrem Beruf für unser Wohl an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gehen!

Gerade unter diesen neuen Gegebenheiten rückt das Thema Informationssicherheit besonders in den Vordergrund. Informieren Sie sich laufend zum aktuellen Stand? Werden auch in Ihrem Unternehmen bereits regelmäßig Awareness-Trainings angeboten?

Um Programme zur Entwicklung einer Sicherheitskultur erfolgreich in den Unternehmensalltag einzubinden braucht es

  • kompetente Expert*innen, die qualitativ hochwertige Schulungen anbieten und
  • motivierte Mitarbeiter*innen, die aus Überzeugung das neue Wissen umsetzen und den Entwicklungsprozess unterstützen.

Die beste Security-Awareness Kampagne ist ohne Akzeptanz und Umsetzung durch alle Beteiligten zum Scheitern verurteilt. In diesem Beitrag rückt daher die Rolle der Motivation ins Scheinwerferlicht.

Dazu begeben wir uns in die Welt des Sports. Sie werden sich als Freeride-Skifahrer*in versuchen, erfahren wie ein Rugby-Trainer Mannschaftskultur entwickelte und aus diesen Erfahrungen Anregungen zu Ihrer eigenen Motivationslage erhalten. Den Abschluss bildet eine sportliche Erfolgsgeschichte zum Thema Motivation zur Veränderung.

Wer oder was motiviert mich?

Unser Handeln wird durch verschiedene Faktoren bestimmt: unter anderem von unserer Persönlichkeit, unseren Interessen und unseren Motiven. Die Steuerzentrale sitzt also zwischen unseren Ohren, mit einem stolzen Kampfgewicht von ungefähr 1 000 Gramm.

Stellen Sie sich vor, Sie wären Freeride-Skifahrer*in. Sie lieben den Nervenkitzel einer anspruchsvollen Linie und haben großen Spaß daran, deren Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Dies entspricht der sog. intrinsischen (oder primären) Motivation (von innen). Hier wird eine Tätigkeit um ihrer selbst willen durchgeführt, in unserem Beispiel, weil Sie dem Wunsch nach Kompetenzerleben entspricht.

Würden Sie als Freeride-Skifahrer*in nur an den Siegesprämien oder dem Bekanntheitsgrad in den Medien interessiert sein und hätten keinerlei Freude an anspruchsvollen Linien, wäre Ihre Tätigkeit extrinsisch (oder sekundär) motiviert und damit abhängig von äußeren Reizen.

Primär motiviert handeln wir also, wenn wir durch die Tätigkeit selbst unmittelbare Bedürfnisbefriedigung erfahren. Weil sie uns Freude bereitet, weil wir dadurch Kontakt zu anderen haben oder weil wir gerne Herausforderungen annehmen.

 “You can motivate by fear, and you can motivate by reward. But both those methods are only temporary. The only lasting thing is self motivation.”

Homer Riceehemaliger Football-Spieler und Trainer

Die Frage nach dem Sinn

Tauchen wir anhand des Beispiels einer neuseeländischen Rugby-Mannschaft tiefer in die Thematik ein. In seinem Buch Das Geheimnis der All Blacks beschreibt James Kerr, wie Trainer Wayne Smith die Spieler der Crusaders von innen heraus motivierte und dadurch eine eigene Mannschaftskultur entwickelte:

„Wenn man Ziele festlegt, müssen die Spieler über diese Ziele entscheiden. Wenn man sich auf eine Vision und Werte stützen will, müssen die Spieler ganz intensiv daran mitarbeiten, Vision und Werte zu definieren.“

James Kerr

Als entscheidender Faktor für dauerhafte Motivation wird ebendort die Verbindung eines übergeordneten Zieles mit dem persönlichen Sinn betont. Ein übergeordnetes Ziel soll die Richtung vorgeben, der persönliche Sinn ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln und Einsatzbereitschaft wecken.

Klaffen die Werte von Spieler*innen und Trainer*in auseinander, leidet die individuelle Motivation und in weiterer Folge die Teamleistung. Hat jemand Angst vor erneuten Verletzungen durch Zusammenstöße mit dem Gegner und Trainer*innen fordern zu früh riskante Spielmanöver, wird die Zusammenarbeit kaum von Erfolg gekrönt werden.

Fragen zum Überdenken

  • Sind ihre Mitarbeiter*innen hinsichtlich der Aufnahme von Informationssicherheits-Wissen intrinsisch oder extrinsisch motiviert? Wie passt das Thema Informationssicherheit zu den gelebten Werten im Unternemen?
  • Haben Sie sich schon mit Ihren eigenen Werten beschäftigt? Was ist Ihnen wichtig?
  • Was motiviert Ihre Mitarbeiter*innen/Kolleg*innen und was können Sie dazu beitragen?
  • Kennen Sie die Werte Ihrer Mitarbeiter*innen?

Fazit

Die intrinsisch motivierte Tätigkeit ist der extrinsisch motivierten überlegen, wenn es darum geht, diese unabhängig von äußeren Anreizen auszuführen und auch Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Andernfalls hätten beispielsweise unsere Freiwilligen Feuerwehren keine Mitglieder, oder Start-ups würden nie gegründet werden.

Veränderungsprozesse sind ein komplexes Themengebiet und ich möchte hier keine falsche Vereinfachung darstellen. Aber es gibt Expert*innen, die Sie bei der Umsetzung Ihrer Anliegen kompetent unterstützen.

Abschließen möchte ich meinen Beitrag mit einem Beispiel aus dem Hochsprung für einen erfolgreichen Veränderungsprozess: Hätte Dick Fosbury die Warnungen seines Trainers befolgt, wäre ihm am 20. Oktober 1968 die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Mexiko-City verwehrt geblieben. Er gewann durch seine einzigartige, neue und revolutionäre Technik, die später auch nach ihm benannt wurde. Die heutige Standardtechnik ist als „Fosbury-Flop“ bekannt. Die Motivation zum Experimentieren brachte dem belächelten Athleten einen Weltrekord (siehe dazu: https://www.sport.de/news/ne2939450/damals-ein-flop-revolutioniert-den-hochsprung/).

Verwendete Literatur:

Baumann, S. 2009. Psychologie im Sport. Meyer & Meyer Verlag.

Kerr, J. 2018. Das Geheimnis der All Blacks. Copress Edition.

Stops, Thomas; Gröpel, P.: „Motivation zum Risikosport: Eine qualitative Untersuchung mit professionellen Freeskiern“, in: Zeitschrift für Sportpsychologie 23/1, 2016, S. 13-25.